Stottern bei Bewerbung angeben?

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Stottern bei Bewerbung angeben?

Beitrag von BTVS » 30. April 2007 16:04

Ich habe im Forum nachgeschaut, ob es bereits einen ähnlichen Thread zu meiner Frage gibt, habe aber keinen gefunden.

Und zwar bin ich nicht sicher, ob ich mein Stottern bei einer Bewerbung für eine sehr interessante Stelle angeben soll oder nicht, da ich dann eventuell trotz guter Qualifikationen nicht eingeladen werde zum Vorstellungsgespräch. Mein Problem ist, dass ich gleichzeitig auch noch auf einem Ohr schlecht höre, was ich beim Bewerbungsschreiben auf jeden Fall reinschreiben werde als Begründung für meinen Schwerbehindertenausweis. Und bei gleich zwei Beeinträchtigungen werden die Personalchefs es sich vielleicht 2mal überlegen, mich einzuladen.

Was habt ihr für Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht, zahlt sich Ehrlichkeit aus oder soll man die Leute erst im Vorstellungsgespräch damit konfrontieren, wo es dann eventuell zu unangenehmen Situationen kommen kann?

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Beitrag von Heiko Bräuer » 30. April 2007 16:31

Aus aktueller Erfahrung kann ich dir sagen, dass man es in der Bewerbung nicht angeben soll, aber dann beim Bewerbungsgespräch von selbst auf das Thema kommen soll! So war es bei mir und ich hatte bei meiner Ausbildung schon so viel Erfolg, dass ich jetzt nun nur noch gegen 2 Mitbewerber im Probearbeiten bestehen muss... :roll:

Marco

Beitrag von Marco » 30. April 2007 17:30

Also ich bin GANZ KLAR der Meinung, dass du dein Stottern bei der Bewerbung erwähnen solltest!!!

Natürlich denkt man immer, dass man dann gleich abgelehnt wird. Und in vielen Fällen ist dies der Fall. Aber wenn ein Chef erst beim Vorstellungsgspräch bemerkt, wirst du zwar darauf angesprochen, sich aber dann herauszureden wird noch schwieriger sein. Du hast den entsprechenden Adressaten also hintergangen Und der Chef könnte dann natürlich denken, dass du dies in anderen Situation auch machst. Sozusagen ein grober Nachteil.

Ich habe all meine Bewerbungen mit folgendem Schlusssatz beendet:

Mein Sprachfehler, durch den ich in manchen Situationen stottern muss, sollte kein Hindernis sein, um mir den beruflichen Einstieg bei ihnen zu ermöglichen.

Hatte etliche Vorstellungsgespräche. Und irgendwann triffst du auf einen Chef, der dir die Chance gibt.
____________________
PS: Nummer elf :-)

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Beitrag von Uwe » 30. April 2007 17:52

Marco hat geschrieben:Also ich bin GANZ KLAR der Meinung, dass du dein Stottern bei der Bewerbung erwähnen solltest!!!
Da bin ich ganz anderer Meinung. Warum sollte man sein Stottern in der Bewerbung angeben. Ich denke das ist nur notwendig, wenn in der Ausschreibung sprachliche Fähigkeiten explizit gefordert werden.
Natürlich denkt man immer, dass man dann gleich abgelehnt wird. Und in vielen Fällen ist dies der Fall. Aber wenn ein Chef erst beim Vorstellungsgspräch bemerkt, wirst du zwar darauf angesprochen, sich aber dann herauszureden wird noch schwieriger sein. Du hast den entsprechenden Adressaten also hintergangen Und der Chef könnte dann natürlich denken, dass du dies in anderen Situation auch machst. Sozusagen ein grober Nachteil.
Wieso hintergangen fühlen. Ist Stottern nun auch noch strafbar? Ich kann Deiner Logik hier gar nicht folgen.
Ich habe all meine Bewerbungen mit folgendem Schlusssatz beendet:

Mein Sprachfehler, durch den ich in manchen Situationen stottern muss, sollte kein Hindernis sein, um mir den beruflichen Einstieg bei ihnen zu ermöglichen.
Das zeudt aber nicht von viel Selbstbewusstsein. Hier zeigst Du, dass Dein Stottern dich beherrscht. Wenn Du schon etwas über Dein Stottern schreibtst sollte es viel selbstbewusster klingen.
Hatte etliche Vorstellungsgespräche. Und irgendwann triffst du auf einen Chef, der dir die Chance gibt.
____________________
PS: Nummer elf :-)
Das ist genau die Einstellung, die hier im Forum schon mehrfach diskutiert wurde. Sich selber als Opfer zu sehen, das der Gnade anderer Menschen ausgeliefert ist.

Eine Bewerbung sollte immer sehr positiv klingen und zeigen was man drauf hat und das man genau der Richtige ist für diesen Job. Mit einer positiven Ausstrahlung und einem Selbsbewussten Auftreten kommt man viel weiter und schneller ans Ziel.

/Uwe
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Marco

Beitrag von Marco » 30. April 2007 18:04

@Uwe
Da kann man sich natürlich streiten, denn jeder macht andere Erfahrungen. Und dein Beitrag macht mich ehrlich richtig sauer.

Ich hatte meine persönliche Meinung wiedergegeben.

Und ich kann mit gutem Recht behaupten, dass mein Schlusssatz gut bei den Chefs angekommen ist, weil:
1. Meine damalige Ausbildungsabteilung beim Arbeitsamt hat diesen Satz als "sehr gut" eingestuft -> und ich hatte mir den selbst ausgedacht.
2. Wegen der guten Resonanz auf meine Bewerbungen.
3. Und auch bei den Vorstellungsgesprächen hat man meine Ehrlichkeit gelobt.
_______________________
PS: Nummer zwölf :-)

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Beitrag von Ralf_D. » 30. April 2007 19:23

Hallo Marco!

ist ja nett von Dir, dass Du Deine Beiträge fleißíg zählst, aber Du weißt schon, dass Du Dich ab dem zehnten Beitrag registrieren solltest, oder?

Gruß
Ralf
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Uwe
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Beitrag von Uwe » 1. Mai 2007 16:28

Marco hat geschrieben:@Uwe
Da kann man sich natürlich streiten, denn jeder macht andere Erfahrungen. Und dein Beitrag macht mich ehrlich richtig sauer.
Das habe ich mir schon gedacht, dass diese Reaktion kommen würde. Mein Beitrag war nicht als persönlicher Angriff gedacht. Ist halt meine Meinung wie ich das ganze sehe.

Uwe
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Beitrag von Ralf_D. » 1. Mai 2007 19:54

Ich muss Uwe da absolut recht geben. Ich habe in meinem Leben schon ne Menge Bewerbungen geschrieben und Vorstellungsgespräche geführt. In den Bewerbungsschreiben habe ich das Stottern nie erwähnt. Warum auch? Und in den Vorstellungsgesprächen habe ich es auch nur dann erwähnt, wenn ich es für angemessen hielt und um mir ein wenig Nervosität zu nehmen. Von Seiten der Personalchefs wurde ich nie auf das Stottern angesprochen. Wenn ich es ansprach, war die Reaktion darauf IMMER neutral bis positiv.
Das kann man denen nun glauben oder nicht, aber die Warhheit (für eine spätere Absage) wird man eh nie erfahren. :wink:

Das ich in den letzten zwanzig Jahren auch schon ne Menge Absagen bekommen habe, kann in manchen Fällen (auch) am Stottern gelegen haben. Aber es gibt sicher auch 1000 andere Gründe, warum ich nicht genommen wurde...

Wenn Du im Bewerbungsschreiben erwähnst, dass Du stotterst, kann es wirklich passieren, dass Du erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingelanden wirst. Warum? Weil die Personalchefs sich nicht wirklich vorstellen können, WIE Du eigentlich stotterst. Sie machen sich bestimmte Vorstellungen, die u.U. der Realität gar nicht gerecht werden.

Sollen sich die Chefs doch ein eigenes Bild von Dir und Deinem Stottern machen und zwar in Verbindung mit Deinem gesamten Auftreten, Deiner Ausstrahlung, Deiner Persönlichkeit.
Alles andere bedeutet doch, eine Chance u.U. zu früh zu verschenken.

Gruß
Ralf
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bei der Bewerbung ...

Beitrag von Ernst-Martin » 1. Mai 2007 22:26

Ralf_D. hat geschrieben: Alles andere bedeutet doch, eine Chance u.U. zu früh zu verschenken.

Gruß
Ralf
Wenn es nicht in der Stellen-Ausschreibung gefordert wird, würde ich es nicht erwähnen.

Beim Vorstellungsgespräch jedoch ansprechen als Bitte, wie Marco es bereits beschrieben hat:
jedoch mit:
"ich bitte Sie, mir trotzdem eine Chance zu geben, weil ich gerne im Team arbeite!"
Beim Vorstellungsgespräch ist der Personalchef nur noch vermittelnd tätig; es entscheidend allein der zuküntige Abteilungsleiter (der ja als wichtigste Person bei dem Gespräch mit dabei ist); ihn gilt es zu überzeugen, daß ich team- und lernfähig bin.
Wenn ich dann nicht gerade selbstbewußt auftrete, sondern eher freundlich-kameradschaftlich - und den Abteilungsleiter beim Abschied direkt frage, ob er mit meiner Behinderung zurecht kommen würde ...

Dem Abteilungsleiter ist ja daran gelegen, daß seine Anweisung ohne Diskussionen ausgeführt werden und das ist dann Deine Chance.
Alles Gute für Deine Bewerbung!
:wink:
Ernst-Martin,
der Lechgeist
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... die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere -
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Peter Alexander

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Beitrag von BTVS » 1. Mai 2007 22:47

Danke für eure Antworten, ich werde mir jetzt mal Gedanken machen und dann entscheiden, was ich tun werde.

transit
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Beitrag von transit » 1. Mai 2007 22:55

Hi BTVS,

hat denn deine Hörschwäche auf einem Ohr etwas mit der Bewerbung, dem Arbeitsplatz-Profil zu tun ?

Hörstörung und Sprechstörung stellen doch beide gegebenenfalls Kommunikationsbeeinträchtigungen dar. Mir scheint, hier wird deutlich, dass wir offenbar Hören und Sprechen unterschiedlich bewerten.

herzlichen Gruß
isabel

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Beitrag von SummerWalker » 2. Mai 2007 08:46

Die Frage habe ich während meines Studiums, vor ca. 10 Jahren, auch mal gestellt (im Usenet, damals gab es dieses Forum ja noch nicht...) Die Reaktion war damals einstimmig: Stottern NICHT erwähnen, denn im BeWERBUNGsschreiben machst du WERBUNG für dich, d.h. du stellst ausschließlich deine positiven Seiten dar. Ein realistisches Bild kann sich dein zukünftiger Chef dann immer noch während des Vorstellungsgesprächs machen.

Ich habe bei meinen Bewerbungen nach dem Studium (mittlerweile 8 Jahre her) diese Strategie genutzt und denke mal, dass ich damit ganz gut gefahren bin...

Schöne Grüße!
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Re: bei der Bewerbung ...

Beitrag von SummerWalker » 2. Mai 2007 08:54

Ernst-Martin Schneider hat geschrieben: Beim Vorstellungsgespräch jedoch ansprechen als Bitte, wie Marco es bereits beschrieben hat:
jedoch mit:
"ich bitte Sie, mir trotzdem eine Chance zu geben, weil ich gerne im Team arbeite!"
Das kommt - denke ich - sehr auf die Art der Stelle an, auf die man sich bewirbt. Gerade wenn es eine Stelle ist, für die eine hohe Qualifikation benötigt wird, sollte man nicht unbedingt als Bittsteller erscheinen - das kann nach hinten losgehen.

Warum sagt nicht einfach stattdessen sagen: "Ich würde mich freuen, bei Ihnen arbeiten zu können - das Arbeitsklima bei Ihnen erscheint mir sehr angenehm, und ich denke, dass ich Sie mit meinen Kenntnissen gut unterstützen kann." Der Arbeitgeber muss auch das Gefühl bekommen, dass er dich nicht nur aus reiner Menschenfreundlichkeit einstellt, sondern auch davon profitiert...

Gruß
- SW -
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Beitrag von BTVS » 2. Mai 2007 17:44

hat denn deine Hörschwäche auf einem Ohr etwas mit der Bewerbung, dem Arbeitsplatz-Profil zu tun ?

Hörstörung und Sprechstörung stellen doch beide gegebenenfalls Kommunikationsbeeinträchtigungen dar. Mir scheint, hier wird deutlich, dass wir offenbar Hören und Sprechen unterschiedlich bewerten.
Grundsätzlich hat meine Hörschwäche gar nichts mit dem Arbeitsplatzprofil zu tun, ich halte es nur für wichtig, es zu erwähnen, da die Personalchefs sich sonst fragen würden, weshalb ich einen Schwerbehindertenausweis besitze. Das ist fair gegenüber den Personalern und ist in gewisser Weise eine Entlastung für mich.

Um die Situation mal klar zu stellen, es ist nicht explizit verlangt für die Stelle, einen besonders gute Ausdrucksfähigkeit zu haben, sondern wie ich aus dem Text interpretiere eher eine Position "hinter den Kulissen" mit viel PC-Arbeit und Vorbereitungen für andere Personen.

Nach all den Ratschlägen denke ich, dass ich das Stottern nicht angeben werde, wer weiss, vielleicht haben die Leute dort gar kein Problem damit und sehen darin kein Hinderniss für die Ausübung der Tätigkeit. Und wenn doch hab ich es wenigstens mal versucht.

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Re: bei der Bewerbung ...

Beitrag von Ernst-Martin » 2. Mai 2007 18:21

SummerWalker hat geschrieben:
Ernst-Martin Schneider hat geschrieben: Beim Vorstellungsgespräch jedoch ansprechen als Bitte, wie Marco es bereits beschrieben hat:
jedoch mit:
"ich bitte Sie, mir trotzdem eine Chance zu geben, weil ich gerne im Team arbeite!"
Das kommt - denke ich - sehr auf die Art der Stelle an, auf die man sich bewirbt. Gerade wenn es eine Stelle ist, für die eine hohe Qualifikation benötigt wird, sollte man nicht unbedingt als Bittsteller erscheinen - das kann nach hinten losgehen.

Warum sagt nicht einfach stattdessen sagen: "Ich würde mich freuen, bei Ihnen arbeiten zu können - das Arbeitsklima bei Ihnen erscheint mir sehr angenehm, und ich denke, dass ich Sie mit meinen Kenntnissen gut unterstützen kann." Der Arbeitgeber muss auch das Gefühl bekommen, dass er dich nicht nur aus reiner Menschenfreundlichkeit einstellt, sondern auch davon profitiert...

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Du hast natürlich recht: ich dachte mehr an einen Sachbearbeiter-, nicht an einen Vorgesetzten-Posten!
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