Stottern bei Bewerbung angeben?

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drb
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Beitrag von drb » 3. Oktober 2007 20:24

"Welche Schwächen haben Sie?"

"Nun, ich denke eine Schwäche haben Sie im Gespräch bereits bemerkt, ich stottere leicht, [hier je nach Reaktion des Gegenübers, der Zielposition und der eigenen Nase weitersprechen]...

Nach weiteren Schwächen fragt niemand mehr - und bisher nur positives Feedback darauf.

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djub
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Beitrag von djub » 4. Oktober 2007 10:43

Ich würde dann sagen bzw. schreiben, dass ich stottere und dass es mich stört, aber denke, trotzdem grundsätzlich alles erreicht zu haben was ich bisher im Leben erreichen wollte. Und dass ich mich in meiner Kommunikationsfähigkeit bzw. meinem Spaß an Kommunikation davon schon lange nicht mehr einschränken lasse, aber natürlich trotzdem weiterhin daran arbeite, weil ich nicht abstreiten kann, dass es mich durchaus nervt.

So in etwa. Ich halte das für eine ganz gute Mischung aus selbstbewusstem Umgang mit dem Stottern und halbwegs realistischer Beurteilung der Lage.
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Beitrag von djub » 11. Oktober 2007 10:15

Soeben wurde ich telefonisch zu meinem ersten Bewerbungsgespräch eingeladen. :)

Und mein Stottern habe ich klipp und klar in der Bewerbung angegeben. War mir irgendwie lieber, ehrlicher. Und ich werde jetzt eher auf positive Reaktionen stoßen, dass ich relativ flüssig spreche anstatt auf negative, dass ich öfters mal stottere.

So, und jetzt erstmal den allseits beliebten Zahnarzttermin machen. ;)
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Beitrag von djub » 23. Oktober 2007 17:38

Tja...
Das zweite Bewerbungsgespräch lief zwar hervorragend und ich habe wirklich mit einer Zusage gerechnet, weil einfach alles gepasst hat, aber...naja.... :(

Vom ersten erfahre ich nächste Woche....
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dosi
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Beitrag von dosi » 23. Oktober 2007 18:47

Ich habe in den letzten Tagen recht rasant meinen Arbeitgeber gewechselt. Gründe gab es einige, die aber nicht hierhin gehören. In meinem Bewerbungsschreiben habe ich angegeben, daß ich eine Selbsthilfegruppe für Stotterer leite. Beim Gespräch habe ich von ganz allein dieses leidige Thema angesprochen, weil es nicht unbemerkt bleiben konnte und ich mir den Druck nehmen wollte. "Sie werden ja schon gemerkt haben, daß ich stottere und ich weiß nicht inwiefern das für sie ein Problem ist. In der Vergangenheit hat sich bewiesen, daß die Patienten damit ganz gut zurecht gekommen sind. Für sie war es wichtig, daß ich meine Arbeit ordentlich gemacht habe und das Sprechen stand da nicht so im Vordergrund." Mein neuer Chef hat damit anscheinend auch nicht so die Probleme. Obwohl es viele Bewerberinnen gab, habe ich den Job bekommen.
Meine ganzen neuen Kolleginnen habe ich noch nicht kennengelernt. Ich habe mir aber vorgenommen, das Stottern offen anzusprechen. Es nimmt einfach den Druck und ich kann dann unverkrampft kommunizieren.
Wenn es nicht gerade der reinste Sprechberuf ist, hat man wahrscheinlich trotz Stottern gute Chancen.
Nicht jeder Zwerg wird ein Feldherr und nicht jeder Stotterer ein Großmeister der Sprache. Aber Stotterer und Zwerge sind stärker als Schöne und Gesunde motiviert, eine geniale Begabung in die geniale Leistung umzusetzen.“

Wolf Schneider

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djub
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Beitrag von djub » 25. Oktober 2007 08:59

Na dann herzlichen Glückwunsch, dosi.
Freut mich echt für dich. :)

Mich hat die Absage etwas niedergeschlagen, weil ich gerade auf einer Welle voll Tatendrang geschwommen bin. Eine Zusage hätte mich noch mehr motiviert und ich wäre weiter auf der Welle geschwommen.

So ist mir das Surfbrett leider erstmal weggerutscht.

Gestern ging's mir nicht so gut. Gerade war ich dabei meine Sprechangst wirklich anzupacken, überall anzurufen, mich in der Uni zu beteiligen, zu Vorstellungsgesprächen zu gehen (vor einem Jahr noch unvorstellbar), mich intensiv ums Studium und meine Zukunft zu kümmern, etc. pp.
Es ging mir richtig (!) gut.

Und dann so ein Rückschlag. Aber gerade soetwas ist ja hilfreich für's Leben.

Gestern Abend habe ich mir aber einen Ruck gegeben, es als sinnvolle Erfahrung abgehakt und jetzt mache ich weiter. Punkt.

Neue Jobangebote hab ich auch schon gefunden. :)

Mal sehen, was wird.
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Re: Stottern bei Bewerbung angeben?

Beitrag von TaffeFrau » 30. Mai 2013 11:03

Also bei meinem Sohn haben wir es nie angegeben, warum auch er ist deshalb ja nicht anders als alle.
Ich gebe in meiner Bewerbung ja auch nicht chronische Rückenschmerzen an.

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Re: Stottern bei Bewerbung angeben?

Beitrag von Maikiboy » 9. Oktober 2013 15:23

Hallo, ich habe noch nie mein Stottern vorher angegeben und habe trotzdem die Stelle immer bekommen. Ich finde, wenn man es vorher angibt, dann hört sich das für mich nach einer Entschuldigung an, und ich wüsste nicht, warum ich mich für mein Stottern entschuldigen müsste ? Wenn der Andere ein Problem mit meinem Stottern hat, dann ist das allein sein Problem und nicht meins !

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Re: Stottern bei Bewerbung angeben?

Beitrag von Neyla » 3. Mai 2016 10:48

Ich habe mich eine zeitlang nie getraut, bei Bewerbungen anzugeben, dass ich stottere. Daraufhin wurde ich zum Vortellungsgespräch eingeladen, weil es halt niemand wusste und gleich zu Beginn des Gespräches merkte ich, dass die Personaler verwirrt oder schockiert waren. Sie fragten mich, ob sie etwas falsch machen, ich solle doch ruhig bleiben, tief Luft holen und langsam sprechen. Mich ärgern solche Sätze, weil ich den Redefluss nicht ändern kann. Ich saß vielleicht 5 Minuten im Gespräch, als ein Personaler das Vorstellungsgespräch plötzlich abgebrochen hat und mir ins Gesicht sagte, dass ich den Job aufgrund des Sprechens nicht bekomme. Hätte er das vorher gleich gewusst, hätten sie mich niemals zum Gespräch eingeladen. Genau das sagte er mir! Aufgrund der Qualifikationen hätte ich den Job bekommen, aber wegen dem Sprechen nun doch nicht mehr, da Telefonate führen ein Hauptbestandteil des Berufes ist. Ich hab es nicht leicht einen Job zu bekommen. Wenn ich dann mal einen geeigneten Job finde, z.B. im Archiv, wo man nicht sprechen muss, nehmen sie dann trotzdem jemand anderes. Hat jemand Tipps? Ich komm beruflich nicht weiter.

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Re: Stottern bei Bewerbung angeben?

Beitrag von PetraS » 4. Mai 2016 11:50

Liebe Neyla,
darf ich zu Anfang gleich mal fragen, welchen Beruf du gelernt hast und auf was für eine Stelle du dich beworben hast?
Neyla hat geschrieben:Ich habe mich eine zeitlang nie getraut, bei Bewerbungen anzugeben, dass ich stottere. Daraufhin wurde ich zum Vortellungsgespräch eingeladen, weil es halt niemand wusste und gleich zu Beginn des Gespräches merkte ich, dass die Personaler verwirrt oder schockiert waren.
Ich denke, dass es völlig individuell und vom Job abhängig ist, ob man so etwas im Vorfeld schon kommuniziert oder nicht. Bewerbe ich mich z.B. auf einen Job als Lagerist, dürfte es so gut wie keine Probleme geben, und dann gibt es auch keinen erkennbaren Grund, das Stottern vorab abzukündigen. Es jedoch spätestens im Vorstellungsgespräch zu erwähnen, ist nicht nur für dich eine unglaubliche Erleichterung, sondern auch für deine Gesprächspartner eine sinnvolle Aufklärung.
Neyla hat geschrieben:Sie fragten mich, ob sie etwas falsch machen, ich solle doch ruhig bleiben, tief Luft holen und langsam sprechen. Mich ärgern solche Sätze, weil ich den Redefluss nicht ändern kann.
Dass Menschen, die überhaupt nicht mit Stottern rechnen, verwirrt oder schockiert wirken, ist völlig normal. Damit muss ich als Stotternder rechnen, und darauf sollte ich meine Antworten haben.
Wie hast du denn auf den Satz, ob SIE etwas falsch machen, reagiert?
Es wäre doch der prima Anlass gewesen zu sagen: "Nein, Sie machen nichts falsch. Ich stottere halt."
Und wahrscheinlich hätten sich damit die folgenden Sätze mit dem Luft holen und langsam sprechen etc. von selber erledigt.
Neyla hat geschrieben:Ich saß vielleicht 5 Minuten im Gespräch, als ein Personaler das Vorstellungsgespräch plötzlich abgebrochen hat und mir ins Gesicht sagte, dass ich den Job aufgrund des Sprechens nicht bekomme. Hätte er das vorher gleich gewusst, hätten sie mich niemals zum Gespräch eingeladen. Genau das sagte er mir!
Ich verstehe, dass solch ein Satz hart sein kann. Sehr hart sogar. Aber wenn du die Situation noch mal Revue passieren lässt - gibt es nicht auch auf deiner Seite Dinge, die du hättest besser machen können?
Neyla hat geschrieben:Aufgrund der Qualifikationen hätte ich den Job bekommen, aber wegen dem Sprechen nun doch nicht mehr, da Telefonate führen ein Hauptbestandteil des Berufes ist. Ich hab es nicht leicht einen Job zu bekommen. Wenn ich dann mal einen geeigneten Job finde, z.B. im Archiv, wo man nicht sprechen muss, nehmen sie dann trotzdem jemand anderes. Hat jemand Tipps? Ich komm beruflich nicht weiter.
Nicht jede Ablehnung ist dem Stottern geschuldet, das darfst du auch nicht vergessen.
Es kommt nicht allein darauf an, DASS du offen mit deinem Stottern umgehst, sondern vor allem, WIE du es rüberbringst.
Wenn jemand gesenkten Hauptes dasitzt und sagt: "Na ja, ich stottere nun mal" und ein entsprechend leidendes Gesicht zeigt, hat er ganz sicher schlechtere Karten als jemand, der sagt: "Ich stottere, aber ich sehe das nicht als Problem, sondern als ständige Herausforderung. Ich finde, dass ich dadurch viel feinfühliger bin und Dinge sehe und erkenne, die anderen vielleicht entgehen - denn ich bin ein guter Zuhörer." (Zum Beispiel, wenn es denn stimmt!)
Ich kenne viele Stotternde, die im Beruf den ganzen Tag telefonieren oder Auszubildende anleiten müssen. Das geht, wenn man mit dem Stottern entsprechend umzugehen gelernt hat. Und dafür wäre das beste, eine Selbsthilfegruppe (zum Beispiel eine Flow-Gruppe, das sind die jungen Stotternden) zu besuchen oder eine gut angeleitete (Gruppen-)Therapie zu machen.
Gruß
Petra

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