Stottern bei Bewerbung angeben?

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Marco

Beitrag von Marco » 2. Mai 2007 23:42

Ich möchte hier noch mal den Anfang dieses Beitrags von BTVS zitieren:
BTVS hat geschrieben: Was habt ihr für Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht, zahlt sich Ehrlichkeit aus oder soll man die Leute erst im Vorstellungsgespräch damit konfrontieren, wo es dann eventuell zu unangenehmen Situationen kommen kann?
Natürlich hat hier jeder seine Meinung abgegeben. Aber einige Beiträge hören sich wirklich so an, als ob man nun unbedingt auf keinen Fall sein Stottern in einer Bewerbung angeben sollte.

Wie gesagt, ich bin der Meinung, dass man es ruhig angeben kann. Aber jeder sollte es so machen, wie er es am besten hält. Und dementsprechend seine Erfahrungen machen.
SummerWalker hat geschrieben: im BeWERBUNGsschreiben machst du WERBUNG für dich, d.h. du stellst ausschließlich deine positiven Seiten dar. Ein realistisches Bild kann sich dein zukünftiger Chef dann immer noch während des Vorstellungsgesprächs machen.
Wenn mich nicht alles täuscht, ist das genau das, was ein Stotterer nicht machen soll.
Denn realistisch ist, dass das Stottern zum Stotterer gehört.
Du wirst also ggf. unter falschen Voraussetzungen zu einem Gespräch eingeladen. Wie gesagt, ich halte davon nicht viel. Denn man sollte es auch immer aus der Sicht des Chefs sehen.
Ralf_D. hat geschrieben: habe ich das Stottern nie erwähnt. Warum auch? Und in den Vorstellungsgesprächen habe ich es auch nur dann erwähnt, wenn ich es für angemessen hielt und um mir ein wenig Nervosität zu nehmen.
Du scheinst hier nicht die Ausmaße eines Stotterers zu haben wie manch anderer. Dies sollte man auch noch Bedenken. Da gibt es in der Regel himmelweite Unterschiede.

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Anhand eines Beispiels möchte ich auch noch mal erklären, dass Stotterer nicht unbedingt benachteiligt sind:

Ich hatte mit einem damaligen Klassenkameraden (Nichtstotterer) vier gleichwertige Bewerbungen abgesendet. Nur in meinen Bewerbungen hatte ich mein Stottern mit angegeben.
Resultat:
In drei der vier Fälle, kam ich weiter als mein Klassenkamerad.
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_____________________________
PS: Strichliste verschwunden §xlol

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Beitrag von Marlem » 13. Mai 2007 21:46

bin mal wieder da und das thema betrifft mich auch, da ich seit letztes Jahr oktober zum zweiten mal arbeitslos bin!
allerdings kommt bei mir noch meine körperbehinderung zu meinem stottern dazu! mein stottern ist eigentlich besser geworden. ich stottere selten und deswegen schreibe ich von meinem stottern nichts uin die bewerbung! aber meine webseite gebe ich an und wenn man da drauf schaut liest man von meinem stottern :)
von meiner Behinderung schreibe ich im anschreiben und lebenslauf auch nichts, aber auf der letzten seite meines pdf-dokuments ist eine kopie meines schwerbehindertenausweises :)
das bedeutet ich verschweige nichts, aber stelle es auch nicht gleich vorne hin und zwinge den personaler meine bewerbungsunterlagen GANZ durchzulesen :)
besser stottern, als gar nichts zu sagen haben!

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Beitrag von BTVS » 13. Mai 2007 22:04

das bedeutet ich verschweige nichts, aber stelle es auch nicht gleich vorne hin und zwinge den personaler meine bewerbungsunterlagen GANZ durchzulesen Smile
Ich habe jetzt meine Bewerbung abgeschickt, mit der Angabe sowohl meines Hörschadens als auch des Stotterns, ich wollte einfach ehrlich gegenüber dem Personaler sein. Wenn sie mich trotzdem einladen, ist das wohl ein gutes Zeichen und kann beruhigt in das Vorstellungsgepräch gehen ohne Angst zu haben, die Leute zu schocken. Bin mal gespannt, was für eine Antwort kommt.

@Marlem: Ich denke, wenn man einen Schwerbehindertenausweis hat, sollte man schon explizit darauf hinweisen, da dies nicht nur evtl. Nachteile, sondern auch Vorteile hat, da bei gleicher Eignung Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis eingestellt werden.
Aber das kommt auch wahrscheinlich auf die ausgeschriebene Stelle an.

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Beitrag von Marlem » 14. Mai 2007 06:20

@BTVS
er ist ja dabei, der schwerbehindertenausweis, aber erst auf der letzten Seite im Worddokument!
verstehst, ich verheimliches nichts! aber ich stelle es auch nicht ganz vorne hin!
besser stottern, als gar nichts zu sagen haben!

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Beitrag von Andy » 14. Mai 2007 23:58

Mir persönlich wäre es ein wenig peinlich, wenn ich in der Bewerbung nichts davon angeben würde und der Chef beim Vorstellungsgespräch merkt, dass ich einen Sprachfehler habe...

Komisch wäre mir dabei alle mal!! :roll:

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Beitrag von Ernst-Martin » 15. Mai 2007 09:11

Andy hat geschrieben:Mir persönlich wäre es ein wenig peinlich, wenn ich in der Bewerbung nichts davon angeben würde und der Chef beim Vorstellungsgespräch merkt, dass ich einen Sprachfehler habe...

Komisch wäre mir dabei alle mal!! :roll:
Gewiß, lieber Andy,
:lol:
wenn Du bereits zum Vorstellungsgespräch kommst ....
und zu ihm haben sie Dich wegen Deinen Spitzenkenntnisse eingeladen und wollen nun Deine Teamfähigkeit prüfen!

Du kannst Dich ja gleich beim Gesprächsbeginn zu dem anwesenden zukünftigen Abteilungsleiter wenden, und ihn fragen, ob er damit klar kommen würde ...

... und auf jeden Fall zum Schluß beim Abschied nochmals nachfragen;
aus dessen Reaktion merkst Du dann schon, wie es gelaufen ist (die Abteilungsleiter sind gegenüber "Behinderten" meistens ehrlich und geben Dir auch gerne einen "guten Rat").

Alles Gute für Dein Vorstellungsgespräch!
:wink:
Ernst-Martin,
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Beitrag von Gast » 15. Mai 2007 18:18

hallo,

ich habe bei internen bewerbungen stottern nicht angegeben. in den vorstellungsgesprächen war dies davon abhängig wie stark das stottern während des vorstellungsgespräches tatsächlich war, wenn die tagesform gut war stotterte ich nicht, und natürlich ob es für die aufgabe wirklich eine rolle spielte.

manche jobs bekommt man eben trotz stottern - weil das profil stimmt!

anderseits, wollt ihr es wirklich wissen? wollt ihr das arbeitgeber oder personalchefs euch auf den kopf zusagen: 'tut uns leid, aber wegen stottern....wird das nichts mit dem job'

ich habe das mal ganz unverblümmt gesagt bekommen. etwa sinngemäß: fehlbesetzung, druchsetzungsschwach, telefonstress, geht nicht....auch wg. stotteren - aber nicht nur. wg. stottern. diese offenheit machte mir die absage nicht leichter. auch weil ich fachlich für diese aufgabe gut geeignet war.

und noch was; vieleicht wollten die mich ja letztlich doch schonen, oder das gespräch abkürzen, und haben mein alter (bin 50) garnicht erst erwähnt

bei externen bewerbungen wird es noch seltener vorkommen, sollte es zum erstgespräch kommen, das die gesprächspartner, wenn es nicht geklappt hat, euch den wirklichen ablehungsgrund nennen. tippe mal die wahrscheinlichkeit, das doch, liegt bei 1%.

dazu kommt auch noch, das ich ein hörgerät trage. meine schwerhörigkeit wird damit zwar zu 100 % ausgeglichen. ohne hörgerät bin ich von fremden aber nicht wie ein schwerhöriger behandelt worden. bei bewerbungsgeprächen kann ich gerade darauf nicht verzichten.

leider habe ich mehr fragen als antworten. sorry. aber eins weis ich heute, ich brauche glück damit ich letztlich eine sinnvolle arbeit mit einigermassen arbeitszufriedenheit machen kann.

gruß erwin

Gast4711

Beitrag von Gast4711 » 16. Mai 2007 10:50

Hier nochmal eine Antwort eines "Karriereberaters" der VDI nachrichten:
http://www.ingenieurkarriere.de/bewerbe ... umber=1250

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Ernst-Martin
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das Hobby des zukünftigen Abteilungsleiters ....

Beitrag von Ernst-Martin » 16. Mai 2007 11:57

Gast4711 hat geschrieben:Hier nochmal eine Antwort eines "Karriereberaters" der VDI nachrichten:
http://www.ingenieurkarriere.de/bewerbe ... umber=1250
Gut gemacht, lieber Gast 4711!
:lol:
Noch ein Hinweis von meinem Religionslehrer (ein Segelflieger) aus dem Jahr 1958:
z.B. der zukünftige Abteilungsleiter bei Messerschmitt ist ein begeisteter Segelflieger ...
Du auch? Segelfliegen kann man lernen im gleichen Verein, in dem auch der Abteilungsleiter ist ..... und bei zünftigen Vereinsabenden .... plötzlich sieht Dich der Abteilungsleiter in einem ganz anderen Licht ("nobody ist perfect - er auch nicht!")

... und ganz recht, wichtig ist der Einstieg als Lehrling in den gewünschten Großbetrieb .... wenn die Fa. einen neuen z.B. Flugzeug-Auftrag erwartet benötigt sie 3 Jahre vorher hunderte von Lehrlingen auf Vorrat ... und die Einstellungshürden sinken .... und der betriebliche Aufstieg winkt ...
:wink:
Kommst Du eigentlich aus Köln?
Ernst-Martin,
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Peter Alexander

Gast

Beitrag von Gast » 5. Juni 2007 00:29

Ich hatte in meiner schriftlichen Bewerbung das Stottern nicht angegeben. Ich denke, das ist so besser, damit man nicht allein dadurch schon durch das Raster fällt.
Als ich dann beim Vorstellungsgespräch war, habe ich zu Beginn kurz zwei, drei Sätze gesagt. Ungefähr so: ich habe früher stark gestottert und in Drucksituationen kommt es jetzt immer noch vor (obwohl das gar nicht stimmt, dass es jetzt viel besser ist als früher) und sie sollen sich doch bitte davon nicht ablenken lassen.
Die beiden haben dann gemeint, jaja, kein Problem. Ob es aus reiner Höflichkeit war oder ob sie es echt so gemeint haben, weiß ich nicht genau.
Im Gespräch wurde ich dann gefragt, ob ich wegen dem Stottern einen Behindertenausweis habe, was nicht der Fall ist.
Ob ich genommen werde oder nicht, wird sich noch rausstellen.
Das Reden selbst ging so "naja", ich bin relativ oft hängen geblieben, aber nie so richtig heftig. Ich denke schon, dass das Stottern einen Minuspunkt darstellt, wie stark dieser ausfällt, kann ich nicht sagen. Jedoch muss ich durch andere Leistungen wie z.B. Noten oder andere positive Dinge im Vorstellungsgespräch meine Mitbewerber ausstechen, um eine Chance zu haben. Was ich damit meine: stottern ist negativ, aber es ist nicht unmöglich, einen Job zu bekommen. Man muss eben in den anderen Dingen "etwas besser" sein, als die anderen, um genommen zu werden.

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Beitrag von djub » 5. Juni 2007 13:23

Ich finde die Diskussion ist (wie eigentlich jede andere Diskussion über Jobs) viel zu sehr auf abhängige Beschäftigung versteift.
Die Menschen, die auf der anderen Seite des Tischs sitzen, kennen mich nicht.
In der Schule hatte ich immer meine eigene Meinung, aber war trotzdem oder gerade deshalb bei fast allen beliebt. Jeder mochte mich. Ich hatte kaum mal Probleme.
Wenn jmd. Probleme hatte, kam er oft zu mir. Ich sollte sogar öfter mal "große Streits" unter Schülern oder zwischen Lehrern und Schülern als Schiedsrichter schlichten.
In der Schule und nun auch im Studium war bzw. bin ich sehr gefragt als "Problemlöser", sprich bei einer schweren Aufgabe werde ich nach möglichen Lösungen gefragt.
Ich habe eine Engelsgeduld und liebe knifflige Augaben, die ich in der Regel recht schnell löse....

etc. pp.

Jeder hier könnte wohl (die gleichen oder andere) unzählige persönliche Qualifikationen aufzählen. Aber jeder hier stottert (leider) auch.

Wenn die ganzen Unternehmen mich nicht als "würdig" erachten für sie zu arbeiten, dann suche ich mir eben einen 400€-Job als Lagerarbeiter oder so (ja, auch als studierter Mensch kann man körperlich arbeiten) zwecks Grundversorgung und - da ich auf Grund der geringen Arbeitszeit dann viel Zeit habe - versuche ich auf jede andere erdenkliche Art und Weise Geld zu verdienen.

Jedes Unternehmen verlangt Motivation, Kreativität, persönlichen Einsatz, kontaktbereitschaft....und was weiß ich alles.

Warum das alles - wenn man sich auf so eine Stelle bewirbt, sollte man diese Eigenschaften ja besitzen - nicht für sich selbst einsetzen anstatt für irgendeinen "Fremden" (=Chef)???

Die Zeit und das Geld, die ich benötige um 90 Bewerbungen zu verschicken ist doch wohl besser zu nutzen.

Hakunamatata!
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Arbeit

Beitrag von Stotterbegabter » 6. Juni 2007 00:13

Liebe Forumsteilnehmer,

es wird immer Chefs geben, die über Stottern wenig wissen und es ablehnen und somit auch euch als Person ablehnen. Aber ich kann aus Erfahrung sprechen, dass so nicht jeder Chef ist.

Es wäre in meinen Augen ein Fehler den Kopf in den Sand zu stecken, nur weil man abgelehnt wird.

Wer sich wirklich treu ist und Ziele hat, der kämpft für diese Ziele.

Ich kenne Stotterer mit sehr schwerer Symptomatik aus der Berliner Selbsthilfe, die bekleiden Führungspositionen mit hoher Verantwortung. Ich kenne sie selber, es sind Freunde von mir.

Selbst wenn man nicht dem "Ideal" einer Führungskraft entspricht, so bekommt der Personalchef während des Gespräches einen Eindruck von eurer emotionalen und sozialen Kompetenz. Wenn ihr diese Fähigkeiten gut ausgebaut habt, dann habt ihr gute Chancen.

Ich kann euch raten, wenn ihr dazu in der Lage seit, dann kümmert euch nicht um euer Stottern, sondern um euer Auftreten, das hat eine hohe Gewichtung.

Ich erwähne das Stottern in der Bewerbung, weil ich einen offenen Umgang damit für sehr wichtig halte. Wer offen damit umgeht, kann eine größere Zufriedenheit ausstrahlen und verbessert damit seinen Gesamteindruck. Ausserdem, wenn ihr es verschweigt, kann euch das so ausgelegt werden, das das Stottern für euch ein Problem ist. Dann denkt sich der Chef, wenn der Bewerber bei Problemen schweigt, anstatt sie auf den Tisch zu legen, ist er vielleicht nicht der Richtige für die Stelle.

Ihr werdet nicht bei jeder Bewerbung erfolg haben, aber wer aufgibt, wird nie Erfolg haben.

Lasst euch von niemanden diktieren was ihr erreichen könnt und was nicht. Es ist euer Leben.

Damit wünsche ich euch eine gute Nacht

viele Grüße

Jens, Stotterbegabter
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Beitrag von djub » 6. Juni 2007 08:33

Schöne Worte. :)

Mal was anderes: Es gibt übrigens auch hochqualifizierte Nicht-Stotterer, die hunderte von Bewerbungen schreiben und keine Stelle finden. Die haben vllt. anderes Defizite.
Und auch die Leute, die die Stelle bekommen, haben Defizite. Die sind nur vllt. weniger offensichtlich. Aber durch ihre positiven Eigenschaften gleichen sie ihre "negativen" Eigenschaften (die für andere vllt. sogar positiv sind) aus.
Und warum soll das Stotterern nicht auch gelingen? Dass sich ein Stotterer bei einer Bewerbung auf den Posten des Nachrichtensprechers nicht wundern sollte, wenn er abgelehnt wird, ist klar. Ein Rollstuhlfahrer wird sich auch nicht als Einradfahrer im Zirkus bewerben. Aber Jobs, in denen es hauptsächlich darauf ankommt WAS gesagt wird, sollten uns auf jeden Fall zugänglich sein.

Jobs, die mehr Wert darauf legen, WIE man etwas sagt, welches Kostümchen bzw. welchen Anzug man trägt etc. interessieren mich sowieso nicht.

Und wer weiß? Vllt. schreibe ich eine so interessante Diplomarbeit, dass ICH am Ende noch zwischen verschiedenen Unternehmen wählen kann. ;)
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Re: Arbeit

Beitrag von Ralf_D. » 7. Juni 2007 12:56

Stotterbegabter hat geschrieben: Ich erwähne das Stottern in der Bewerbung, weil ich einen offenen Umgang damit für sehr wichtig halte. Wer offen damit umgeht, kann eine größere Zufriedenheit ausstrahlen und verbessert damit seinen Gesamteindruck. Ausserdem, wenn ihr es verschweigt, kann euch das so ausgelegt werden, das das Stottern für euch ein Problem ist. Dann denkt sich der Chef, wenn der Bewerber bei Problemen schweigt, anstatt sie auf den Tisch zu legen, ist er vielleicht nicht der Richtige für die Stelle.
Lieber Jens,

das kann man so und so sehen....
Wenn ich das Stottern NICHT im Bewerbungsschreiben erwähne, kann dies auch signalisieren, dass es für mich überhaupt nicht diskussionswürdig ist. Dass es für mich völlig außer Frage steht, aufgrund des Stotterns nicht genommen zu werden. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass ich (vielleicht) Segelohren habe, unter Hämorhiden leide, einen Buckel habe, usw. :wink:
Wenn ich es jedoch schon im Bewerbungsschreiben erwähne, kann es der Personalchef so interpretieren, dass ich ein Problem damit habe und u.U. befürchte, das Stottern könne mich in irgendeiner Weise bei der Ausübung meiner zukünftigen Tätigkeit einschränken.

Ich finde es erst mal wichtig, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. In Anbetracht des schlechten Arbeitsmarktes ist das schon schwierig genug. Wenn man das geschafft hat, hat man u.U. schon mal die halbe Miete.
Und dann können die Personalchefs immer noch entscheiden, ob sie Dich als "ganzen Menschen" mit Deiner Ausstrahlung, Deinem Charisma, Deiner Gestik, Deiner Mimik, ect. UND Deinem Stottern.....nehmen oder nicht.

Wie ich schon einmal hier geschrieben habe, können sich viele (nichtbetroffene) Menschen unter dem Begriff "Stottern" nicht viel vorstellen. Zumal, wenn sie diesen Menschen noch nicht ein einziges Mal persönlich kennengelernt haben.
Schlimmstenfalls rutscht man bei denen dann (auch beeinflusst von div. Vorurteilen), sofort in eine "Schublade", welches zur Folge haben könnte, dass man erst gar nicht zum Gespräch eingeladen wird.

Ein Beispiel, dass gar nicht so wenig mit "Bewerbung um einen Arbeitsplatz" zu tun hat, ist das Thema "Partnersuche", auch wenn hierbei natürlich die "menschlichen Vorzüge" weit mehr im Vordergrund stehen, als irgendwelche fachspezifischen Qualitäten.
Vor etlichen Jahren habe ich mal eine Kontaktanzeige (Er sucht Sie) in einer Zeitschrift aufgesetzt. Bewusst habe ich dort das Stottern nicht erwähnt. Ebenso habe ich es bewusst vermieden, mit den Frauen erst einmal zu telefonieren. Der Ersteindruck sollte schließlich nicht allein über den auditiven Kanal erfolgen, sondern sie sollten mich "in meiner ganzen Pracht", (inclusive Stottern) :wink: erleben.....
Ich bekam eine Menge Zuschriften und habe mich auch mit einigen Frauen getroffen. Manchmal hatte ich dann das Bedürfnis, bei den Treffen das Stottern anzusprechen und manchmal, wenn es sprachtechnisch besonders gut lief, eben auch nicht. Die Reaktionen waren immer neutral bis positiv.....
Warum es damals zu keiner festen Beziehung kam, bzw. die Kontakte mehr oder weniger schnell im Sande verliefen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Mag sein, dass das Stottern teils der Grund dafür war, es können aber auch tausend andere Gründe vorgelegen haben.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich, wenn ich das Stottern damals schon in der Anzeige erwähnt hätte, längst nicht diese Resonanz bekommen hätte. Ich halte auch nichts davon, wenn man jetzt sagt, "Ja, dann hättest Du zwar wesentlich weniger Zuschriften bekommen, aber von denen hätte man sich zumindest sicher sein können, dass die Frauen sich am Stottern nicht stören...."
Ich glaube, wie gesagt, dass der Begriff "Stottern", viele (unwissende) Menschen immer noch ziemlich abschreckt, sie können sich darunter nichts, oder zumindest wenig vorstellen. Sie stellen sich womöglich einen Menschen wie in dem Film "Ein Fisch namens Wanda" vor. :wink: und treffen dann u.U. vorschnelle (negative) Entscheidungen.

Gruß
Ralf
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Beitrag von Stotterbegabter » 7. Juni 2007 20:56

Hallo Ralf,

ja, was du sagst stimmt genauso.

Ein wichitger Aspekt bei der Frage, ob man Stottern angeben soll oder nicht, ist die stärke der Sympthome.

Ich bin bei dem Beitrag von mir mal wieder nur von mir ausgegeangen, jedoch denke ich:

Wenn man eine leichte Symphtomatik hat, ist eine Erwähnung eher Nebensächlich.

Bei sehr starken Sympthomatiken, sollte man meiner Meinung nach schon eine Erwähnung in Betracht ziehen, denn eine Nichterwähnung kann zu argen Missverständnissen führen. Wie du sagtest herrschen viele Vorurteile.

Es geht mir nicht darum das Stottern zu offen zu legen. Denn es ist mir häufiger schon passiert, dass Leute dachten ich stehe unter Drogeneinfluss (Alkohol, Haschisch usw....), da meine Sprechweise eher langsam und langgezogen ist.

Ausserdem man muss es ja nicht Stottern nennen.

Sprechunflüssigkeit und Sprechstörung sind meiner Meinung nach Synonyme für das Stottern. Mir gefällt aber eher der Ausdruck Sprechunflüssigkeit.

viele Grüße

Jens, Stotterbegabter.
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