ein stotternder Neonazi

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Zypresse
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ein stotternder Neonazi

Beitrag von Zypresse » 19. Oktober 2008 21:13

Hab da eben eineBuchkriktik gelesen.Von Alina Bronski:"Scherbenpark" Sie berichtet darin von einem Hartz-IV-Milieu,von Hochhäusern,schreienden Kindern,fiesen Russenbanden und stotternden Neonazis.Irgendwie wurde ich sauer,vielleicht bin ich auch nur empfindlich.!? Früher wurden wir in die geistig behinderte Kiste gesteckt und nun kommen wir in die Neo-Nazi-Kiste.Was meint Ihr dazu? Zu lesen in der Zeitliteratur -als Beilage der letzten Ausgabe.Zypresse

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von 2412 » 19. Oktober 2008 23:47

Ich würde das jetzt nicht unbedingt als wertend ansehen. Womöglich hat die Autorin beim Recherchieren einfach einen Neonazi getroffen, der stotterte.

Oder aber, sie wollte damit ausdrücken, dass die Neonazis ihre Ansichten nur recht unbeholfen zum Ausdruck bringen konnten. Hier wäre natürlich die Verwendung des Terminus "stottern" befremdlich und auch eher klischeehaft.

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von djub » 20. Oktober 2008 09:13

Ich habe es nicht gelesen, aber vielleicht wollte sie zeigen, dass auch ein Neonazi etwas Menschliches hat?
Denn ein "Fehler", etwas nicht perfektes, wie eben das Stottern drückt ja oft genau das aus.
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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Michael13 » 20. Oktober 2008 12:19

Hallo Djub, hallo Jonny,

anbei nicht das Buch selbst, doch der Link zur besagten Rezension: http://www.zeit.de/2008/42/L-Bronsky ...

Es ist auch nicht klar, ob es sich um die Beschreibung von Rezensist (Rezensionist, Rezensitor ? :)) David Hugendick handelt oder wirklich um einen Abschnitt im Buch ...

So weit, so gut ... Grüße, Micha.

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Jaspis » 20. Oktober 2008 19:47

Michael13 hat geschrieben:Es ist auch nicht klar, ob es sich um die Beschreibung von Rezensist ... David Hugendick handelt oder wirklich um einen Abschnitt im Buch ...
Nö, ist doch klar beschrieben :) , es ist die Rezension von David Hugendick und die fällt nicht sehr gut aus, mein Eindruck.

"Außergewöhnlich. Respektlos. Spitzentitel. So dröhnt der Klappentext dieses Romans.
...
Was es nicht gibt, ist ein Erzählbogen. Die hineingeächzte Liebesgeschichte verendet genauso wie der Roman, den Sascha für ihre Mutter schreiben will. Wir begegnen Hochhäusern, Hartz IV, Alkohol, schreienden Kindern, erstem Sex, fiesen Russenbanden, stotternden Neonazis, Mord und Totschlag, aber das Ganze bleibt requisitenhaft. Formale Unebenheiten werden niedergequasselt. Gut, die Erzählerin ist pubertäre 17. Die Schriftstellerin indes nicht."

In dem Buch werden wohl so einige Klischees bemüht, das sollte uns nicht treffen.
Gruß, Karen

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Michael13 » 20. Oktober 2008 23:46

Hallo liebe Karen,
Karen hat geschrieben:
Michael13 hat geschrieben:Es ist auch nicht klar, ob es sich um die Beschreibung von Rezensist ... David Hugendick handelt oder wirklich um einen Abschnitt im Buch ...
Nö, ist doch klar beschrieben :) , es ist die Rezension von David Hugendick und die fällt nicht sehr gut aus, mein Eindruck.
...
In dem Buch werden wohl so einige Klischees bemüht, das sollte uns nicht treffen.
Gruß, Karen
Was ich meinte, ist, dass nicht klar ist, woher die "stotternden Nazis" kommen ... hat das Alina Bronski wirklich so geschrieben oder beschrieben, oder wie auch immer? ... oder hat das der Rezensent (ah, so scheint's richtig :)) so verstanden?

Ich halte nicht viel von Rezensionen, so lange ich das betreffende Buch nicht selbst gelesen habe ... damit kann man bewusst oder unbewusst immer ein bestimmtes Licht auf eine Sache erzeugen ...

Alles Gute, Micha.

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Quax » 24. Oktober 2008 23:05

Hallo zusammen,
Oder aber, sie wollte damit ausdrücken, dass die Neonazis ihre Ansichten nur recht unbeholfen zum Ausdruck bringen konnten. Hier wäre natürlich die Verwendung des Terminus "stottern" befremdlich und auch eher klischeehaft.
Und genau dagegen wehre ich mich ! Ich bringe meine Ansichten nicht unbeholfen zum Ausdruck nur weil ich stottere ! Zumindest gilt das in der Theorie, wie es dann in praxi mit Vermeideren, Symptomatik etc. aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls bin ich - das behaupte ich mal einfach so frech und selbstbewusst - 80 % der deutschen Bevölkerung intellektuell und sicherlich auch rhethorisch (Zukunftsmusik :roll: :wink: ) überlegen und mit Verlaub: für viele, wenn nicht alle der Members hier trifft das auch zu ! Dieser Tread hat mir wieder gezeigt, was denn eigentlich so durch die Medienwelt geistert bzw. geistern darf bezüglich des Stotterns. Ok, kleines Brainstormings :G :

- Muttersöhnchen, im Zwiespalt des Inzestwunschs- und Inzestverbots :grrr: :G

- der Klassiker: kleines Dummerchen

- unausgesprochene anale Bedürfnisse :G :grrr:

- sexuell nicht leistungsfähig (vgl. z.B. Alles auf Zucker) :G :grrr:

Das mal nur für den Moment. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht ein bisschen überreagiere, aber leider werden stotternde Menschen viel zu oft in den Medien negativ dargestellt. Was ich z.B. sehr gut finde, ist die Parodie in das Leben des Brain (wobei ich diesen Film natürlich nicht gut finde), mit diesen beiden Kerkerwachen und den unvergesslichen Satz: "Kümmern sie sich nicht um den, der ist taub und verrückt, Herr ..." :lol: Da hat man wirklich auf witzige Art und Weise das Klischee aber sowas von bedient und ich finde die Szene auch nicht sonderlich verletzend oder so.

Wie seht ihr das Stottern im Spiegel der Medien ?

So, ich muss weiter.

Bis demnächst

Alles Gute und BB

BERND :D

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Michael13 » 25. Oktober 2008 00:36

Hallo Quax,

ich weiß schon ungefähr, wie du es meinst, doch ich würde die Bälle mal flach halten :) ... Wer von uns kennt denn das Buch von Alina Bronski wirklich???

Ich habe mal etwas in der Art erlebt, als 2002 in der Sächsischen Zeitung mal ein Artikel über ein Kabarett-Stück abgedruckt war "Und Böttcher stottert". Böttcher war zu diesem Zeitpunkt ein mehr oder minder bekannter Radio-Comedian, um es mal so auszudrücken, in Sachsen und darüber hinaus.

Ich sagte dann zu dem damaligen Chef der Dresdner SHG "Komm da fahren wir mal zur Premiere" ... Wir trafen Böttcher vorher und der war ganz aufgeschlossen. Sein Manager bzw. der des Stückes weniger; wir wurden mehrmals wieder rausdelegiert - das war das eigentlich Kuriose an der Sache. Was und wie das ablief, ist hier nachzulesen: Kabarett & Stottern.

Mir fehlt noch etwas das Konstruktive an der Diskussion hier, um ehrlich zu sein. Bisher lese ich meist heraus, was stotternde Menschen alles eigentlich nicht sind bzw. sein wollen ...

Alles Gute, Micha.

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von 2412 » 25. Oktober 2008 00:57

Quax hat geschrieben:Hallo zusammen,
Oder aber, sie wollte damit ausdrücken, dass die Neonazis ihre Ansichten nur recht unbeholfen zum Ausdruck bringen konnten. Hier wäre natürlich die Verwendung des Terminus "stottern" befremdlich und auch eher klischeehaft.
Und genau dagegen wehre ich mich ! Ich bringe meine Ansichten nicht unbeholfen zum Ausdruck nur weil ich stottere !
Das geht ja bereits aus meiner, von dir zitierten Passage hervor. Für den Laien, der sich in seinem Leben nie mit dem Phänomen Stottern beschäftigt hat, ist der Stotterer nun einmal das unsichere, schüchterne, minderbemittelte Dummerchen. Gegen solche Stereotypen können allerdings nur WIR etwas tun, indem wir uns neben unserem Job/Studium für Aufklärung in der Bevölkerung einsetzen und unseren Teil dazu beitragen, dass in Deutschland eine ähnliche Lobby für Stotternde geschaffen wird wie in den USA.
Quax hat geschrieben: - sexuell nicht leistungsfähig (vgl. z.B. Alles auf Zucker) :G :grrr:
Ja, den Film habe ich gesehen. Hier muss man allerdings auch positiv anmerken, dass dieser Sohn, der stark stottert, als Berater in einer Bank arbeitet - damit hat der Regisseur sehr wohl mit einem Klischee über Stotterer aufgeräumt. Dies schmälert aber seine tiefergehende Darstellung - wie du richtig angerissen hast -als sexuell verklemmter und im Umgang mit Frauen unerfahrener Trottel kaum.

Quax hat geschrieben: Wie seht ihr das Stottern im Spiegel der Medien ?
Das klassische Beispiel, das immer wieder durch die Gottschalksche "Ja mei, Unterhaltung muss nicht qualitativ sein"-Fernsehlandschaft geistert, ist Herbert, der beste Freund von "Hausmeister Krause", einer ansonsten recht ordentlichen Comedy-Serie. Herbert ist in den Fünfzigern, wohnt noch bei Mutti, die ihn bei Ungehorsam schon mal verhaut, hatte niemals eine Freundin und wird von den Protagonisten der Serie als nützlicher Idiot für allerlei Schabernack missbraucht.

Wer Herbert nicht kennt, kann ihn kennenlernen:


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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Michael13 » 25. Oktober 2008 15:39

Ein Hallo an alle,

zur Info - habe gerade Alina Bronski eine Mail mit unten stehendem Wortlaut geschrieben.

Mal sehen, ob eine Rückmeldung kommt ... meist werden die Dinge ja nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht werden :)

Alles Gute, Micha.
mich selbst in einer Mail vom 25.10.2008, 15:36 Uhr hat geschrieben:
Liebe Alina Bronski,

mein Name ist Michael Winkler und ich stottere mitunter - seit reichlich 25 Jahren; seitdem ich 7 bin.

Gelegentlich schreibe ich in einem Forum für stotternde Menschen und dort wurde kürzlich über ihr Buch "Scherbenpark" bzw. vielmehr über eine Rezension davon diskutiert. Der Stein des Anstoßes, um es einmal so auszudrücken, waren die zwei Worte "stotternden Neonazis" ... siehe auch http://forum.bvss.de/viewtopic.php?f=1&t=1376

Da ich selbst das Buch nicht kenne und bisher auch keine Möglichkeit hatte, mir das Buch auszuleihen, wollte ich Sie konkret fragen, inwieweit der Rezensent in der ZEIT-Online Teile ihres Buches wiedergegeben hat oder seine eigene Meinung dort äußerte. Die Rezension von David Hugendick befindet sich hier: http://www.zeit.de/2008/42/L-Bronsky

Alles in allem geht es mir a.) um eine sachliche Analyse der Rezension, b.) um den möglichen Zusammenhang zwischen dem Nazi und seinem evtl. vorhandenen Stottern ... und alle weiteren Dinge, welche sich daraus ergeben.

Weiterhelfen würde mir persönlich auch eine Angabe der Seitenzahl, wo sich betreffende Sätze befinden, so dass eine objektive Bewertung möglich ist ... würde auch insofern helfen, da mir 300 Seiten Buchtext "durchzuforsten" etwas viel sind.

Recht vielen Dank im Voraus für ihre Hilfe und weiterhin angenehmes Schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Winkler.

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Quax » 25. Oktober 2008 16:31

Großes Lob, Michael ! §dup

Ich denke ich war gestern abend auch ein bisschen zu stürmisch bei der Sache - also im Forum meine ich natürlich ... :wink:

Wie dem auch sei ... ich jedenfalls bin gespannt, was da zurückkommt.

Viele Grüße

BERND :D

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Jaspis » 25. Oktober 2008 17:37

JonnyHell hat geschrieben:... damit hat der Regisseur sehr wohl mit einem Klischee über Stotterer aufgeräumt. Dies schmälert aber seine tiefergehende Darstellung - wie du richtig angerissen hast -als sexuell verklemmter und im Umgang mit Frauen unerfahrener Trottel kaum.
Wir kämpfen gegen die einen Vorurteile und bedienen dabei viele andere ;-)
Warum ist ein Mann, der bisher keine oder nur wenige Erfahrungen mit Frauen sammelte, ein Trottel? Ich kenne einige junge Männer, +/- 30, die auch schon länger solo sind ... einfach weil sie keine Gelegenheit finden und suchen. Aber deswegen sind sie keine Trottel und sicher auch nicht immer verklemmt?

Es ist gar nicht so leicht, immer tolerant zu sein, gell?! ;-)

Schönen Abend noch, Karen

Quax
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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Quax » 26. Oktober 2008 12:23

Hallo zusammen,
Warum ist ein Mann, der bisher keine oder nur wenige Erfahrungen mit Frauen sammelte, ein Trottel? Ich kenne einige junge Männer, +/- 30, die auch schon länger solo sind ... einfach weil sie keine Gelegenheit finden und suchen. Aber deswegen sind sie keine Trottel und sicher auch nicht immer verklemmt?
Ganz meine Meinung ! Mal ganz objektiv betrachtet ist es ja überhaupt nicht schwer, "viele Frauen" zu haben, nichteinmal für einen stotternden Mann. Man sieht ja immer, wie sowas läuft - manche Männer nehmen nachts einfach nur noch den ich nenne es mal "Überrest" aus der Disco mit ! Wow, was für eine tolle Nummer :grrr: ! Das hat weder etwas mit Liebe noch mit verantwortungsvollem Umgang mit Sexualität zu tun, sondern ist einfach nur eine Ausbeutung von Frauen und ggf. kommt man dabei sogar sehr schnell in eine strafbare Richtung.

Ich gebe dir da vollkommen Recht, Karen. Was mich aber in diesem Kontext gestört hat, war die Darstellung dieses Mannes in "Alles auf Zucker" - man redet da von so einem sensiblen Bereich, sexuelle Probleme sollten immer zunächst innerhalb der Beziehung besprochen werden, da ist gar nichts peinliches dran oder was auch immer: es ist einfach normal und gehört m.A.n. in den Medien nicht auf eine solche Art und Weie karrikiert.

Jedenfalls hat mich in besagter Szene zweierlei gestört: 1. das - ich nenne es mal - schlechte Timing des Mannes, das natürlich nur aus seiner fehlenden Erfahrung resultierte, die widerrum aus seinem Stottern entsprang (da haben die Autoren mal wieder bewiesen, dass sie keine Ahnung haben :grrr: ) :oops: und 2. die Tatsache, dass er noch die Frage gestellt hat, wie er denn war ! Natürlich war das nix, aber der arme Stotterer hat da natürlich wieder zu wenig Erfahrung, zu wenig Grips, zu wenig Einfühlungsvermögen, um das von selber zu merken :grrr: Höchst zweifelhaft das Ganze !

So gut die Darstellung dieses stotternden Mannes sonst ist, aber dieser ganze Komplex Sexualität in "Alles auf Zucker" ist meiner Meinung nach total daneben ! Wie seht ihr das ?

So, ich muss weiter

Man sieht sich

BB

BERND :grinundwe: :knuddel:

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Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von Jaspis » 26. Oktober 2008 15:44

Quax hat geschrieben:Jedenfalls hat mich in besagter Szene zweierlei gestört: 1. das - ich nenne es mal - schlechte Timing des Mannes, das natürlich nur aus seiner fehlenden Erfahrung resultierte, die widerrum aus seinem Stottern entsprang (da haben die Autoren mal wieder bewiesen, dass sie keine Ahnung haben ) und 2. die Tatsache, dass er noch die Frage gestellt hat, wie er denn war ! Natürlich war das nix, aber der arme Stotterer hat da natürlich wieder zu wenig Erfahrung, zu wenig Grips, zu wenig Einfühlungsvermögen, um das von selber zu merken Höchst zweifelhaft das Ganze !
Hallo Bernd,
ich mag den Film "Alles auf Zucker" ja sehr, jede seiner Figuren, aber den Zusammenhang zwischen Stotterer und sexueller Unerfahrenheit in diesem Film weise ich ganz sachlich zurück, ich sehe ihn nicht.

Das schlechte Timing hatte Thomas, nicht der Stotterer, und die Frage "Wie war ich?" stellt Thomas, ja stotternd, aber ich erinnere mich an keine Szene, die erklärt, daß Thomas der schüchterne, unerfahrene, usw. Mann ist, weil er stottert. Thomas ist ein (vielleicht nicht für alle) interessanter Typ, der sich immerhin gut in seinem Job macht, der die nötige Distanz zu seinen Eltern gefunden hat, der sein eigenes Leben lebt - und - der stottert, als eines seiner Merkmale. Nicht mehr und nicht weniger. Daß er seine Chancen nutzt, zeigt er auch noch (oder findet Ihr die Cousine nicht attraktiv?), so trottelig kann er also nicht sein, ein ganz normaler Typ, ohne Hund würde ich ihn mögen.

Ich fand den Thomas, der stottert, in dem Film ganz real dargestellt (allein der Vermeider "Der U-Ukr ... also der Russe" :) ), ich weiß nicht, wie Ihr Stotterer in den Medien dargestellt haben wollt, immer nur als Helden, nur als positive Figuren? Wenn Stottern in so eine vielfältige Figur wie den Thomas eingebaut ist, kann ich sehr gut damit leben. Die Witzfiguren gaben in diesem Film eh andere ab.

... Und so kann ich mir (um mal wieder zum Thema zurückzukommen) auch stotternde Neonazis vorstellen, ja es wird ganz sicher welche geben. Aber sie deuten in keinster Weise auf die Weltanschauung und Bildung anderer Stotterer. Mal sehen, ob und was die Autorin Micha antwortet, vermutlich hat sie Stottern ja wirklich als negativ verstärkendes Merkmal des Neonazis eingesetzt (was etwas billig ist, aber zur Beschreibung des Buches paßt), aber sollte andersherum ein echter stotternder Neonazi positiv dargestellt werden?

Gruß, Karen

2412

Re: ein stotternder Neonazi

Beitrag von 2412 » 26. Oktober 2008 22:38

Karen hat geschrieben:
JonnyHell hat geschrieben:... damit hat der Regisseur sehr wohl mit einem Klischee über Stotterer aufgeräumt. Dies schmälert aber seine tiefergehende Darstellung - wie du richtig angerissen hast -als sexuell verklemmter und im Umgang mit Frauen unerfahrener Trottel kaum.
Warum ist ein Mann, der bisher keine oder nur wenige Erfahrungen mit Frauen sammelte, ein Trottel?
Nehmen wir mal den Ausdruck "eine schöne Frau". Ist es nun eine Frau, weil sie schön ist oder ist sie schön, weil sie eine Frau ist? Ich weiß ja nicht, wie du es siehst, aber ich erkenne keinen Kausalzusammenhang zwischen Substantiven und den dazu gehörigen Adjektiven :wink:

Nein, ich wollte vielmehr ausdrücken, dass er augenscheinlich keine Erfahrungen mit Frauen gesammelt hat und DARÜBER HINAUS noch ein Trottel ist, wie man es, wie ich finde, an seinem tolpatschigen und unreifen Verhalten auch erkennen kann.
Karen hat geschrieben:Ich kenne einige junge Männer, +/- 30, die auch schon länger solo sind ... einfach weil sie keine Gelegenheit finden und suchen. Aber deswegen sind sie keine Trottel und sicher auch nicht immer verklemmt?
Trottel sind sie deswegen keine, ja. Aber wenn ein Mann mit über 30 keine Erfahrungen mit Frauen hat, dann stimmt definitiv mit ihm gehörig etwas nicht. Das mögen aber Psychologen besser beurteilen. Es ging mir ja auch nicht um völlig normale, auch längerfristige Solo-Zeiten, sondern um das generelle Fehlen von sexuellen Erfahrungen.
Karen hat geschrieben: Es ist gar nicht so leicht, immer tolerant zu sein, gell?! ;-)
Es ist auch falsch, immer Toleranz zu zeigen. zB verdienen (stotternde) Neonazis eben keine.

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