Stottern ansprechen bei Präsentationen

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rob75
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Stottern ansprechen bei Präsentationen

Beitrag von rob75 » 13. Oktober 2013 20:54

Hallo,
ich halte ab und zu Präsentationen auf der Arbeit (deutsch oder englisch). Dabei stottere ich etwas, aber es stört mich für gewöhnlich nicht und ich habe mich daran gewöhnt.

Ich habe letztens das Feedback bekommen, dass es gut wäre am Anfang der Präsentation anzusprechen, dass ich stottere. Evt. mit einem lockeren Spruch der etwas in das humorvolle geht. Somit können dann die Zuhörer direkt zuordnen was los ist, wenn ich etwas stottere bzw. anders spreche.

So - die Frage ist nun in die Runde, ob jemand gute Wege kennt, um Stottern anzusprechen - ohne es als Problem darzustellen.

Danke für eure Rückmeldungen
Rob

paul.dest
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Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

Beitrag von paul.dest » 14. Oktober 2013 18:57

Hi Rob,
rob75 hat geschrieben:Ich habe letztens das Feedback bekommen, dass es gut wäre am Anfang der Präsentation anzusprechen, dass ich stottere. Evt. mit einem lockeren Spruch der etwas in das humorvolle geht. Somit können dann die Zuhörer direkt zuordnen was los ist, wenn ich etwas stottere bzw. anders spreche.
Kompliment an den Feedback-Geber! Zeigt, dass er/sie keine Berührungsängste mit Stottern hat!

...
rob75 hat geschrieben:So - die Frage ist nun in die Runde, ob jemand gute Wege kennt, um Stottern anzusprechen - ohne es als Problem darzustellen.
Ich hoffe, folgende Fallbeispiele bringen Dich auf Ideen, Lösungen zu entwickeln, die auf Deine Person und Dein Leben passen:
  1. Bei der Moderation von Online-Meetings...
    • Analog habe ich früher bei telefonischen Gesprächen mit Personen...
      • Manchmal ist es aber auch für einen selbst belustigend, während das Publikum sich seines Faux-Pas schämt. ...
      ...

      -----------------

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von rob75 » 19. Oktober 2013 23:52

      Hallo Paul,
      vielen Dank für Deine Antwort. Das sind beeindruckende Beispiele.

      Ich würde mich es momentan noch nicht trauen bei der Arbeit mit Pseudo-Stottern das Stottern näher zu bringen. Da hätte ich etwas die Sorge, dass ich die anderen vor den Kopf stoße. Wie waren denn hier die Reaktionen?

      Ich habe mir nun überlegt in der Präsentation abzuwarten bis ich das erste Mal stottere und dann ein Kommentar darüber zu machen. Welches Kommentar bin ich noch unschlüssig. Ich könnte mir vorstellen, dass es in folgende Richtung geht: "... ich wollte ja noch erwähnen, dass ich ab und zu stottere. Evt. haben Sie es wahrgenommen... (zurück zum Thema).

      Ich werde auf der Arbeit eigentlich nie auf mein Stottern angesprochen. Etwas komisch finde ich das schon, aber ich denke, dass die anderen gar nicht wissen wie sie das thematisieren können. Ich dachte schon am Welttag des Stotterns Infomaterial zu verteilen. Hat das schon mal jemand gemacht bei der Arbeit?

      Grüße
      Rob

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von paul.dest » 20. Oktober 2013 09:10

      Hi Rob,

      ...

      Es hilft, wenn man sich über die Frage klar wird:
      Was genau möchte ich beim Zuhörer mit meinem Hinweis auf das Stottern bewirken/vorbeugen?

      Die konkrete Formulierung Deines Hinweises sollte sich danach richten, wie Deine Antwort auf diese Frage ausfällt.

      ...

      Versuch Dich in die umgekehrte Situation zu versetzen. Dann wird das schnell nachvollziehbar. ...

      ...

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Maikiboy » 20. Oktober 2013 14:12

      Ich tue mich schwer damit,anderen menschen vorher einen Hinweiß darüber zu geben das ich Stottere, denn für mich klingt das immer wie eine Entschuldigung, und ich glaube nicht, das man Sich für seine Sprachbehinderung entschuldigen muss ! Wenn jemand ein Problem damit hat, das ich Stottere, dann ist das ganz allein sein Problem und nicht meins ! Und solange wie man dieses Selbstbewusstsein auch nach Außen ausstrahlt, wird es kaum jemanden geben, der sich daran stört !

      paul.dest
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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von paul.dest » 20. Oktober 2013 16:42

      ...

      Was ist denn, wenn sich in Wirklichkeit - Selbstbewusstsein hin oder her - niemand daran stört?
      Und wenn es gar nicht darum ginge, sich für etwas zu entschuldigen?

      ...

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      feather

      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von feather » 21. Oktober 2013 21:57

      rob75 hat geschrieben:
      Ich dachte schon am Welttag des Stotterns Infomaterial zu verteilen. Hat das schon mal jemand gemacht bei der Arbeit?

      pauldest hat geschrieben: Und jetzt stell Dir vor, der Kollege hat zum Thema "Ticks" bisher keinen Mucks von sich gegeben, keiner hätte ihn danach gefragt, am Tourette-Welttag würde er aber im Büro Infomaterialen verteilen. Ich weiß, wie das auf mich wirken würde. Aber sag Du mir erstmal, wie das auf Dich wirken würde?
      Ohne vorgreifen zu wollen, die Frage ging ja an Rob: Auf mich würde das zwar auch nicht besonders "cool" im Umgang mit Stottern wirken, ich würde es aber trotzdem als positiv empfinden. Ich denke, manchmal spricht man vermeintliche Tabuthemen nicht mega-elegant an, aber der Einstieg, das "Wie", ist dann zweitrangig, denn dass überhaupt gesprochen wird (sozusagen das "Ob"), finde ich sehr hoch anzurechnen. Und da wäre es mir egal, ob der Kollege, der am Welt-Stottertag über sein Stottern spricht, das vorher schon getan hat oder nicht (zumal man ja als einzelner ohnehin nicht wissen kann, ob er das gegenüber anderen nicht schon getan hat). Ich würde das sehr stark und vor allem auch interessant finden.

      Viele Grüße und einen schönen Tag

      Svenja

      rob75
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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von rob75 » 21. Oktober 2013 23:28

      Hallo Paul,
      danke für deine Antworten.
      rob75 hat geschrieben:Ich würde mich es momentan noch nicht trauen bei der Arbeit mit Pseudo-Stottern das Stottern näher zu bringen. Da hätte ich etwas die Sorge, dass ich die anderen vor den Kopf stoße.
      Inwiefern? Was denkst/befürchtest Du, könnten die anderen dann denken?
      [/quote]

      Es geht weniger um Denken als um Fühlen. Ich möchte einfach nicht, dass andere in Scham oder Verlegenheit kommen. Ich bin ein selbstbewusster Stotterer - und möchte, dass andere mich mit meinem Stottern respektieren - somit möchte ich auch die Gefühle von anderen respektiern, die noch nicht soviel Erfahrung wie ich mit dem Stottern sammlen durften :)
      rob75 hat geschrieben:Ich dachte schon am Welttag des Stotterns Infomaterial zu verteilen. Hat das schon mal jemand gemacht bei der Arbeit?
      paul.dest hat geschrieben: Und jetzt stell Dir vor, der Kollege hat zum Thema "Ticks" bisher keinen Mucks von sich gegeben, keiner hätte ihn danach gefragt, am Tourette-Welttag würde er aber im Büro Infomaterialen verteilen. Ich weiß, wie das auf mich wirken würde. Aber sag Du mir erstmal, wie das auf Dich wirken würde?
      Ich sehe, dass als offenen Umgang mit dem Thema und dass die Person Courage hat. Das Problem muss ja nicht andauernd thematisiert werden, somit kann
      ein Welttag ein guter Anlass sein. Ich fühle mich allerdings nicht bereit Morgen Flyer bzw. emails zu verteilen. Aber es kann eine gute Gelegenheit sein, das Stottern Morgen ab und zu Mal anzusprechen.

      Gruß
      Rob

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von rob75 » 23. Oktober 2013 21:50

      Maikiboy hat geschrieben:Ich tue mich schwer damit,anderen menschen vorher einen Hinweiß darüber zu geben das ich Stottere, denn für mich klingt das immer wie eine Entschuldigung, und ich glaube nicht, das man Sich für seine Sprachbehinderung entschuldigen muss ! Wenn jemand ein Problem damit hat, das ich Stottere, dann ist das ganz allein sein Problem und nicht meins ! Und solange wie man dieses Selbstbewusstsein auch nach Außen ausstrahlt, wird es kaum jemanden geben, der sich daran stört !
      Hallo Maikiboy,
      für mich ist das keine Entschuldigung. Es ist vielmehr, dass ich Wege suche, wie ich es anderen erklären kann.
      Warum? Damit ich die Zuhörer besser abholen kann bzw. damit Sie einordnen können was Sie hören (wenn ich z.B. nicht auffällig stottere, aber trotzdem z.B. manche Wörter über dehne. Damit ist klar was los ist und die Zuhörer bleiben besser beim eigentlichen Thema.

      An alle,
      also wenn es noch weitere gute Beispiele gibt, Stottern bei Präsentationen anzusprechen (ohne, dass es entschuldigend wirkt) - bin ich sehr dankbar :).

      Grüße
      Rob

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Arashi » 3. April 2014 01:01

      Ich sehe es als große Erleichterung einfach zu erwähnen, dass man stottert und grad kurz eine Blockade hat, oder es direkt am Anfang zu erwähnen. Es nimmt einen selbst den Druck.

      Leider sehen das nicht alle so. Bei meiner Zwischenprüfung, die rein mündlich war und so beurteilt wurde, habe ich viel mehr gestottert als sonst. Da tatsächlich nur der Vortrag benotet wurde und die Prüfer mich nicht kannten, erwähnte ich am Ende, dass ich Stotterin bin und nicht etwa überaus nervös oder gar schlecht vorbereitet.
      Mir wurde auf dem Weg gegeben, ich solle doch lieber künftig so tun als wäre ich etwas schlechter und nervös, als zuzugeben, dass ich einen Sprachfehler habe.
      Wie bitte? Da war ich echt baff.
      Paradox allerdings : Ich habe sogar nur knapp bestanden, da ich nicht flüssig redete. Wurde mir direkt so gesagt. Das Zugeben des Stotterns hat die Nachprüfung verhindert.

      Seitdem sage ich das direkt am Anfang, einfach um selbst nicht den Druck zu haben perfekt sein zu müssen - und es hilft mir ungemein.

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Jaspis » 3. April 2014 13:18

      paul.dest hat geschrieben: Und jetzt stell Dir vor, der Kollege hat zum Thema "Ticks" bisher keinen Mucks von sich gegeben, keiner hätte ihn danach gefragt, am Tourette-Welttag würde er aber im Büro Infomaterialen verteilen. Ich weiß, wie das auf mich wirken würde. Aber sag Du mir erstmal, wie das auf Dich wirken würde?
      Ich würde mich sehr freuen, für ihn und für uns! Denn wir haben auch einen Kollegen mit sehr ausgepärgter Tic-Problematik, er selbst leugnet es und es ist sehr schwierig für uns als Kollegen damit umzugehen. Denn die Tics stören uns - und ihn - wirklich bei der Arbeit, die Konzentration leidet sehr und es ist schwierig mit ihm zusammenzuarbeiten, weil man ständig befürchten muß, ihn zu überfordern und Tics auszulösen (führen bis zur Selbstverletzung). Wir haben uns als Kollegen besprochen und den Gruppenleiter einbezogen. Ich habe ausführlich von der Stotterer-Selbsthilfe berichtet, wie man dort lernt, mit seinem Handicap offen umzugehen, zum Nutzen aller. Wir würden uns sehr wünschen, unser Kollege würde auch den Weg in die Selbsthilfe oder Therapie finden, aber er scheint noch sehr weit davon entfernt. Als der Gruppenleiter ein Gespräch mit ihm wagte und eine Sitzplatzveränderung vorschlagen wollte, zu seiner und unserer Entlastung, hat er überhaupt nicht mit sich reden lassen, alles abgestritten und versprochen es in den Griff zu bekommen. Seit 3 Tagen sitzt er nun extrem angespannt, aber rel. ruhig an seinem Platz - eine sehr belastende Situation für uns als Kollegen, weil wir nicht ihn ärgern oder mobben wollen, sondern wirklich nur die Arbeitsbedingungen für ihn und uns verbessern. Wir fühlen uns aber nun eher ihm gegenüber irgendwie schuldig, weil es ihn offensichtlich sehr anstrengt, seine Tics zu unterdrücken. das kann keine Lösung sein. Ich wünsche ihm einen besseren Weg - und uns eine wieder entspanntere Arbeitsatmosphäre.

      Fazit: Für mich zeigt dieses Beispiel wieder einmal wie wichtig es ist zu lernen selbst mit seinem Handicap umgehen zu lernen und damit auch seinem Umfeld weiterzuhelfen. Wir haben auch eine Verantwortung anderen gegenüber, nicht nur sie uns gegenüber.

      Zum eigentlichen Thema will ich noch beisteuern, dass ich erst letzte Woche in einer Präsentation vor einer kleineren Gruppe vorher angesprochen habe, dass ich stottere. Es war ein Vortrag vor Schülern und ich wollte mein eigentliches Anliegen nicht "mindern", weil ich meine Präsentation nicht zu 100% überzeugend rüberbringe. Ich mache da aber immer große Unterschiede zwischen einem sehr ernsthaften Vortrag vor einer großen Gruppe und einem Vortrag vor einer kleineren Gruppe, bei dem man eher ins Gespräch kommt. Nur bei letzterem erscheint es mir wirklich sinnig, das Stottern anzusprechen. Für einen Vortrag vor einer großen Gruppe investiere ich mehr Zeit in die Vorbereitung, weil es da eher ums Präsentieren z.B. meiner Firma geht als um meine persönlichen Belange.

      Ich habe aber noch nicht richtig einschätzen können, ob es was bringt, wenn ich das Stottern vorher anspreche. Mir selbst nimmt es den Druck, das ganz klar. Und vielleicht wirkt sich das dann schon positiv insgesamt auf den Vortrag aus, das wäre eigentlich ausreichend. Ich erwarte nicht unbedingt direkt gezeigtes Verständnis für meine Situation. Ich weiß ja z.B. auch nicht, ob jemand der Zuhörer Probleme mit dem Hören hat, da will ich mich nicht so herausheben ...

      Gruß, Jaspis!

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Nina 1999 » 16. April 2017 21:01

      Hallo.

      Leider weiß ich nicht, ob das Thema noch aktuell ist und gelesen wird. Ich möchte es aber dennoch mit einem Post versuchen. Vielleicht entsteht ein Austausch...

      An der Berufsschule (2. Ausbildungsjahr) muss ich ein Referat im Deutschunterricht halten. Vor solchen Situationen habe ich noch mehr Angst, als beim Lesen vor der Klasse. Kleine Information: der Beruf einer Medizinischen Fachangestellten wird überwiegend von Mädchen bzw. Frauen erlernt und ausgeübt.

      Die Logopädin ist die einzige Person, bei der ich offen über die Unflüssigkeiten und die belastende Situation reden kann. Der Transfer des Preparatory-Sets (weiches Sprechen bei "schwierigen" Anfangslauten) steht noch aus. Am liebsten würde ich "Berge versetzen wollen", dass der Vortrag ohne Anstrengung gelingt. Ob das - bis Mitte Mai - nach einer fast vier-wöchigen Behandlungspause möglich ist, bezweifle ich allerdings.

      Über das Stottern gesprochen habe ich bisher weder mit den Lehrkräften noch mit den Mädels. Sie wissen nicht, wie schwer mir die - in ihren Augen "leichten" Situationen - tatsächlich fallen. Abwertende Bemerkungen auf das Zögern beim Vorlesen gab es (noch) nicht.

      Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich (relativ) selten an Unterrichtsgesprächen beteilige und mich die Lehrer und Mitschülerinnen nicht oft sprechen hören. Umso öfter ich ungewollt (!) lesen "muss" - und dabei die Floskeln benutze, umso mehr fällt es natürlich auf, das irgendetwas nicht stimmt. Einmal half mir sogar die Lehrerin (weil ich nach einer gefühlten Ewigkeit noch immer beim ersten Satz festhing und das Stottern mit allen Mitteln umgehen wollte) indem sie mich fragte, ob meine Nachbarin für mich weiterlesen sollte.

      Bei Vorträgen war es mir größtenteils (nur mit großer Mühe) möglich, die Unflüssigkeiten zu vermeiden. Ich weiß, dass dieses Verhalten nicht gerade zur Linderung der Symptomatik führt und ich bin manchmal auch erstaunt, was man sich aus der "Not" heraus (nur, um nicht zu stottern) einfallen lässt.

      Klar, müsste ich den ersten Schritt machen, auf die Mitschülerinnen und Lehrer zugehen und ihnen von meinem Problem und der Therapie erzählen. Aber, ich habe Angst, wie sie darauf reagieren. ... oder sollte ich meine Logopädin fragen, ob sie mit in die Schule kommt und - z. B. in Sozialkunde - eine Unterrichtsstunde zum Thema "Stottern" gestaltet? Das müsste allerdings noch vor (!) dem Referat passieren. Ich denke, wenn alle Bescheid wissen, geht man viel entspannter in die Situation und kann das gelegentliche Stolpern im Redefluss ohne Scham zeigen. Wie habt ihr solche Situationen bewältigt?

      Ich würde mich freuen, wenn sich einige Mitglieder des Forums zu diesem Thema äußern würden - gerne auch per PN.

      Schöne Rest-Ostern wünscht

      Nina 1999
      Jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen:
      In der ersten wird es lächerlich gemacht.
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      (Arthur Schopenhauer)

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Roland Pauli » 20. April 2017 00:53

      Hallo Nina,

      ich lasse inzwischen durchaus eine geringe Restsymptomatik zu, wenn ich Vorträge oder Schulungen halte. Solange keine endlosen Blocks auftreten, können die Zuhörer gut damit umgehen. Ich sage genau das, was ich sagen will, ohne mit Floskeln oder Einschüben zu tricksen.

      Ich wünsche dir den Mut bzw. die Einstellung, dass letztlich die Qualität deiner Ausführungen zählt und nicht ob du zu 70, 80, 90 oder 100 % flüssig sprechen kannst.

      LG

      Roland

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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Nina 1999 » 22. April 2017 18:28

      Hallo Roland,

      auch ich würde gerne eine Restsymptomatik zulassen. Das ist schwierig, wenn niemand weiß, dass ich bei meinem Vortrag stottern könnte. Insofern müsste ich ein Gespräch mit dem Lehrer bzw. der Klasse suchen und sie darüber informieren. Noch fehlt mir leider der Mut dazu,..

      Mit meiner Therapeutin habe ich letzte Stunde bereits begonnen, das zehn-minütige Referat zu üben. Wenn ich allerdings bedenke, dass der Termin schon am 18. Mai ist - und wir gerade mit dem ersten Abschnitt fertig sind - weiß ich, dass uns noch eine Menge Arbeit bevorsteht. Aber: ohne Fleiß, kein Preis!

      Gruß

      Nina 1999
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      Re: Stottern ansprechen bei Präsentationen

      Beitrag von Susanne » 16. Mai 2017 22:18

      Hallo zusammen,

      ich mache sehr gute Erfahrungen damit, das Stottern (fast) IMMER anzusprechen - egal, ob ich einen Vortrag halte, eine Sitzung moderiere, in der neue Teilnehmende sind, oder ein Seminar leite. Meistens sage ich etwas in der Art: "Sie werden von mir Stottern hören, bitte lassen Sie sich davon nicht irritieren". Oder bei Kindern und Jugendlichen: "Ich stottere ab und zu, wundert euch nicht darüber. Es ist auch okay, wenn ihr lachen müsst, wenn ich mal ein Wort komisch ausspreche". Damit ist für mich die Kuh vom Eis bzw. die Luft raus und ich kann mich auf das konzentrieren, worum es geht, und muss mir weder um die vermeintlichen Gefühle und Gedanken der andern noch um irgendwelche Perfektions-Ansprüche oder Vermeidungsstrategien Gedanken machen.

      Das Stottern kann so für mich in den Hintegrund rücken, wo es hin gehört. Außerdem wird es besprechbar, manchmal sprechen mich Leute an, dass sie selbst früher gestottert haben oder jemanden kennen oder Kinder fragen mich, wie das ist, zu stottern. Daraus können spannende Gespräche entstehen.
      Aber meistens wissen die anderen es einfach einzuordnen, dass ich manchmal ein wenig anders spreche, und fertig.

      Wenn ich das Stottern in einer neuen Gruppe nicht anspreche, beschäftigt es mich tatsächlich mehr, als wenn ich zu Beginn kurz dazu etwas sage. Denn oft ist bei den anderen ein Moment der Irritation spürbar. Da kann ich sie und mich entlasten - und entspannen.

      In der letzten Zeit denke ich darüber nach, das Outing nach und nach weg zu lassen und den gesprächspartnerInnen mein Rest-Stottern einfach zu zu muten. Das wäre nach mehr als 10 Jahren Ansprechen eine neue Stufe.

      Nina, dir würde ich gern Mut machen, dein Stottern in der Klasse und zunächst mit den Lehrkräften zu besprechen. Irgendwie merken ja alle, dass da etwas ist. Darüber sprechen kann sehr befreiend wirken und ist eine STÄRKE.
      Zudem kannst du dir beim Referat Hilfen nehmen - eine PPT-Präsentation mit zentralen Stichworten oder Fotos/Bildern, kleine Aufgaben an die Zuhörenden verteilen etc.

      Liebe Grüße, toi toi toi
      Susanne
      Herzliche Grüße

      Susanne

      "Wir müssen vor Hoffnung verrückt sein." (W.Biermann)

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