Wie setze ich meine Sprechziele durch?

Erfahrungen in Selbsthilfegruppen, Landesverbänden und Seminaren. Hier bitte keine Diskussion über BVSS-interne Themen
Antworten
Benutzeravatar
Roland Pauli
kompetent
kompetent
Beiträge: 394
Registriert: 15. August 2006 12:00
PLZ: 91058
Ort: Erlangen-Tennenlohe
BVSS-Mitglied: ja
Kontaktdaten:

Wie setze ich meine Sprechziele durch?

Beitrag von Roland Pauli » 23. November 2017 01:02

In unserer Erlanger Stotterer-Selbsthifegruppe hatten wir gestern folgendes Thema:

Wie setze ich meine Sprechziele durch?

Jeder konnte auf einem Blatt Papier seine Gedanken dazu niederschreiben.
Manche definierten erst da, welche Sprechziele sie an diesem Abend durchsetzen wollten.
Einer hielt einen Vortrag, den wir aufnahmen und ihn mitteilten, was ihm dabei gelungen ist.
Ein Polterer sah sich seine Videoaufzeichnung an und überdachte seine Einstellung zu seiner Symptomatik und seiner Einstellung, bewusste Pause und Neustarts zuzulassen.

Zwei Logopädieschüler (M/W) waren dabei und bedankten sich für den aufschlussreichen Abend und wollten wiederkommen.
Am Schluss sprachen wir darüber, was wir von unseren Sprechzielen umsetzen konnten.

Es war ein interessanter Abend voller Offenheit und Wertschätzung, und der harte Kern sprach noch lange lebhaft über Privates.

LG

Roland

Stella
entdeckend
entdeckend
Beiträge: 6
Registriert: 10. März 2018 22:53
Land: Deutschland
BVSS-Mitglied: ja

Re: Wie setze ich meine Sprechziele durch?

Beitrag von Stella » 15. Mai 2018 22:18

Hallo Roland,

das ist ein interessantes Thema, zu dem ich auch gern etwas beitragen möchte.

Erklärtes Ziel ist für die meisten Stotternden ja flüssiges Sprechen, das gern erreicht werden würde.
Da ich früher eine sehr stark ausgeprägte Symptomatik hatte (lange und anstrengende Blocks), heisst mein Ziel im Moment in Stresssituationen: flüssiges Stottern. Leichte Stottersymptome dürfen sein. Wichtig ist dann für mich, "souverän" zu stottern; d.h. ohne Angst, ohne Scham, ohne Minderwertigkeitsgefühle.

Vor dem Sprechen steht meine Sprechvorbereitung. Zunächst ein Check durch den Körper: wo bin ich verkrampft? Versuchen, die Spannungen zu lösen. Und dann kommt der Einsatz der Sprechtechnik: weicher Stimmeinsatz, und dann nach 3 bis 4 Wörtern hinein in die erste Dehnung.

Was noch von großer Bedeutung für mich ist, ist bei neuen Bekanntschaften schon im Vorfeld mein Sprechproblem anzusprechen, mich zu "outen". Das hat anfangs sehr viel Überwindung gekostet, aber mittlerweile fällt mir das schon wesentlich leichter.
Ich habe das früher nie geschafft, habe aber in der letzten Zeit festgestellt, dass dadurch schon ein großer Teil der Anspannung wegfällt. Die Reaktionen fielen durchwegs positiv aus, was mich weiter bestärkt.

Was für mich schwierig ist, ist zu reagieren, wenn mir "Schnellsprecher" dauernd ins Wort fallen, wenn ich festhänge. Ich nehme mir vor, dann einfach dazwischen zu gehen und "stop" zu sagen: "Ich möchte dazu auch noch etwas sagen". Daran muss ich noch arbeiten.

Großes Thema derzeit ist: "offen auf Andere zugehen, egal ob mit oder ohne Stottern", neue Bekanntschaften zu machen, nach neuen Herausforderungen zu suchen...

Was mir immer noch sehr zu schaffen macht, sind die Rückfälle. Mittlerweile habe allerdings auch ich verinnerlicht, dass sie die Regel sind und nicht die Ausnahme. Ich habe mir vorgenommen, nun achtsamer mir gegenüber zu sein, wie es mir jemand aus der SHG geraten hat!!! Das heisst, dass ich aufhöre, mir wegen jedem Block selber eine "reinzuwürgen". Manchmal bin ich müde, habe Angst; manchmal nervt es mich auch nur, ständig auf die Sprechtechnik achten zu müssen oder zu versuchen, Blocks mit "Pull-Outs" zu lösen. Ja und? Dann habe ich eben wieder mal eine peinliche Vorstellung geliefert. Passiert! Abhaken und weiter geht es!
Ich habe mir nun das Buch von Thilo Müller "Kein Berg ohne Täler" zugelegt und mich für seinen Arbeitskreis auf dem Buko eingetragen.

Ich denke, ich bin mittlerweile auf einem guten Weg!

LG, Stella

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste